VEREINSCHRONIK DES RAD- U. ROLLSPORTVEREIN WILHELMSFELD 1907 e.V.

Die Vereinsgründung erfolgte zu einer Zeit, in der man auch in den Landgemeinden bestrebt war, sportliche Betätigung vereinsmäßig zusammenzufassen. In dem damals armen Odenwalddorf, ohne jedes öffentliche Verkehrsmittel, spielte das Fahrrad - besonders bei den überwiegend auswärts Berufstätigen - eine wichtige Rolle.

Im Gründungsjahr 1907 fanden sich im Gasthaus "Zur Krone" eine Anzahl junger Wilhelmsfelder ein, um über die Gründung eines Radfahrvereins zu sprechen. Kurze Zeit danach ist im gleichen Lokal die Gründungsversammlung abgehalten worden. Dem neu gegründeten Verein traten 23 Personen bei. Man einigte sich auf den Namen "Arbeiter Radfahrer Verein Berglust", Nach einigen Beratungen schloss man sich dem "Arbeiter Rad- u. Kraftfahrerbund Solidarität", mit Sitz in Offenbach am Main an. Die Vereinsführung lag in Händen von Georg Ewald als 1. Vorsitzender, ferner Georg Döringer, Peter Jakob und Leonhard Reibold, die den Verein bis zum Kriegsausbruch im August 1914 führten. Die Aufgaben des Vereins bestanden anfangs in den sonntäglichen Wanderfahrten und Vereinsausflügen mit dem Fahrrad. Neben den vielen Fahrten in den hinteren Odenwald und in die Rheinebene wurden auch Radfahrerfeste befreundeter Vereine besucht.

Während des 1. Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit. Die Mehrzahl der Mitglieder war zum Kriegsdienst einberufen und viele kehrten nicht mehr zurück. Der Krieg von 1914 bis 1918 schlug dem Verein große Lücken in seine Reihen.
Bereits im Jahre 1920 konnte jedoch wieder neu begonnen werden. Der Verein wurde von dem langjährigen Mitglied Karl Reibold wieder ins Leben gerufen. Mit dem Vorsitzenden Karl Reibold, dem Stellvertreter Peter Jakob, dem Rechner Georg Reibold und Georg Ewald als Fahrwart, nahm der Verein einen raschen Aufschwung und konnte bereits am 4. Mai 1925 seine Fahnenweihe begehen. Die Fahne trug den Wahlspruch: "Vorwärts immer - rückwärts nimmer".

Zu den Stiftungsfesten der befreundeten Vereine beteiligte man sich mit Korso fahren und belegte am 11. Mai 1924 in Schönau den 1. Platz. Die ersten Saalräder konnten 1927 von Spenden der Mitglieder und einiger Firmen gekauft werden. Die sportliche Betätigung des Vereins erweiterte sich nun wesentlich und bestand neben dem Korso fahren und sonntäglichen Sternfahrten auch im Reigenfahren bei Veranstaltungen und Festzügen.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 bis 19945 ruhte das Vereinsleben. Abermals ist der Verlust vieler Mitglieder zu betrauern. Nach Beendigung des Krieges wurde das frühere Vereinsinteresse wieder wach. Georg Reibold hatte am 12.01.1947 zu einer Besprechung in das Gasthaus "Zum Adler" eingeladen. Einer Anzahl junger Wilhelmsfelder wurden die Ziele des Radfahrvereins unterbreitet. Das Interesse der Teilnehmer war groß und so wurde der Verein am 12.01.1947 nach der zwangsweisen Auflösung wieder ins Leben gerufen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Georg Gärtner gewählt. Der Verein musste jedoch von der damaligen Militärregierung genehmigt werden. Diese Genehmigung erfolgte dann am 19.02.1947 durch das Military Office, Captain William Truxal, da dem Verein keine politische Betätigung nachgewiesen wurde.

Durch die bei der Auflösung des Vereins 1933 vom Turnerbund Wilhelmsfeld aufgekauften Räder, die dadurch im Ort blieben, hatte der Verein die Möglichkeit, die Räder zurückzukaufen. Auch die ebenfalls 1933 beschlagnahmte Fahne wurde zur Freude aller Mitglieder von ungenannter Seite aus Konstanz dem Verein zugesandt. Mit wenig Radmaterial und einigen jungen Sportlern hatten es die ersten Sportwarte Andreas Jakob und Adam Hertel verstanden, im Saalsport mit Reigenfahren die ersten Meisterehren für den Verein zu gewinnen.

Um den Jugendlichen das Radballspielen zu ermöglichen, wurde ab 1950 unter den Trainern Heinz Löser, Karlheinz Werle und Adam Benz mit dieser Sportart begonnen. 1951 feierte man das 45-jährige Jubiläum auf einer Holzbühne vor dem Gasthaus "Zum Adler", in dessen Saal das Reigen- und Einrad fahren trainiert wurde. Beim Festzug nahmen erstmals die Einradfahrer teil.

Zum 60. jährigen Jubiläum hatte man auf dem Kuchenblech ein großes Zelt errichtet. Mit einem "Bunten Abend" und vielen Darbietungen konnte der Radsportverein der Bevölkerung ein gelungenes Fest präsentieren.

Hans Schell führte dann in den 60-ziger Jahren die Erfolgsserie bei nationalen und internationalen Turnieren im Radball fort und erreichte mit zwei Mannschaften den Aufstieg in die Bundesliga. Nach zwei Jahren mussten jedoch beide Mannschaften wieder aus finanziellen Gründen zurückgezogen werden. Nach einer Flaute in der Radballabteilung war es dann Rolf Bauder ab 1973 wieder gelungen, die ehemaligen Radballspieler neu zu motivieren und man setzte das Internationale Kaspar Sauer Gedächtnisturnier wieder fort.

Ab 1960 begann man mit dem Motorsport. Zahlreiche Erfolge konnten für den Verein erzielt werden. Die Höhepunkte waren 1964 und 1965 unter Motorsportleiter Adi Roth, der Gewinn der deutschen Meisterschaften im Sicherheits- und Geschicklichkeitsfahren.
Heinz Löser übernahm 1965 den Verein und führte ihn aus einer finanziell schlechten Lage wieder zu neuem Aufschwung.

Im Jahre 1966 stellte die Gemeinde dem Verein die Pausenhalle unter der Schule zur Verfügung. Somit bot sich die Möglichkeit zum Ausüben des Rollschuhsportes. Unter Rudi Gärtner konnte dann das erste Training im Rollsport begonnen werden. In den 70-ziger Jahren trainierten Monika Sauer und Iris Bauder die Rollsportjugend und konnten einige Meistertitel für den Verein erringen. Bei der Hauptversammlung 1970 wurde der Verein in Rad- u. Motorsportverein Wilhelmsfeld (RMSV) umbenannt. Im Jahr 1978 löste sich die Motorsportabteilung vom RMSV und gründete den ASC Wilhelmsfeld.

1970 konnte durch Marga Wulfgram das Kunstradfahren eingeführt werden. Rolf Bauder übernahm ab 1973 das Kunstrad- und Radballtraining. Für die Schüler konnten je zwei neue Radball- und Kunsträder angeschafft werden. Rainer Bauder belegte bei der Deutschen Meisterschaft im Hallenradsport 1978 in Mörs den 5. Platz im Kunstradfahren und die Brüder Axel und Thomas Löser den 8. Platz im Jugendradball. In den folgenden Jahren konnten in beiden Sportarten einige Badische Meisterschaften gewonnen werden.

Mit der Fertigstellung der Odenwaldhalle 1974 konnte das regelmäßige Training aufgenommen werden und der Rollsport bekam reichlich Zulauf. Die Badischen Meisterschaften im Rollsport konnten dann im Wechsel mit anderen Vereinen in Wilhelmsfeld durchgeführt werden.
Im Jahre 1977 wurde der Rad- u. Motorsportverein Wilhelmsfeld in das Vereinsregister eingetragen. Der Vereinsname wurde schließlich 1988 in Rad- u. Rollsportverein Wilhelmsfeld 1907 e.V. (RRSV) geändert.

Anfang 1980 wurden verschiedene Standpunkte in der Gemeinde zum Bau einer Rollschuhbahn überprüft. Durch das große Engagement von Bürgermeister Manfred Holzmann, konnte dann ein Teil des alten Sportplatzes (Kuchenblech) von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden.

Unter der Leitung von Rolf Bauder wurde 1982 ein Zelt geplant und von den Mitgliedern gebaut. Zur Kirchweih im Juli 1983 stand das Zelt erstmals beim "Gasthof Adler". Ab dieser Zeit wurde das Vereinszelt zu verschiedenen Festen bei Vereinen und beim Mitteldorffest aufgestellt.

Die Vorstandschaft des RRSV entschied sich 1983 für den Bau einer Rollschuhbahn. Karl Wissing erledigte die Behördengänge und Rolf Bauder nahm die Planung und den Bau der Rollschuhbahn in die Hand. Kostengünstig besorgte er ein Baubüro vom Axel-Springer-Verlag, das vorerst als Baubaracke benutzt wurde. Am 1. Juli 1983 wurde mit den Ausgrabungsarbeiten begonnen. Zahlreiche Helfer absolvierten insgesamt 2250 Stunden. Die neue Rollschuhbahn konnte am 26. Mai 1984 feierlich eingeweiht werden. Ab diesem Zeitpunkt bekam der Rollsport wieder enormen Zulauf. Die Mitgliederzahl stieg auf über 200 an. In den folge Jahren wurde das Holzhaus mit WC - Anlagen als Vereinsheim ausgebaut. Nach 20-jährigem Einsatz für den RRSV übergab Heinz Löser sein Amt als Vorsitzender bei der Hauptversammlung 1985 an Rolf Bauder.
Die Landesehrennadel wurde Heinz Löser 1986 überreicht und gleichzeitig wurde er von der Hauptversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit dem Stockschießen führte Rolf Bauder 1990 eine neue Sportart ein. Dadurch stieg die Mitgliederzahl auf 220 Mitglieder an. Das erste Ortsturnier im Stockschießen für Jedermann fand am 03. Oktober 1991 statt.

Die Rollsportabteilung erzielte unter der Leitung von Beate Weis ab 1993 erstmals auch bei Bundesmeisterschaften große Erfolge. So konnten seit 1993 immer wieder Bundestitel bzw. Treppchenplatzierungen nach Wilhelmsfeld geholt werden.

Der Bau von zwei Garagen unterhalb der Rollschuhbahn wurde 1996 an Rolf Bauder übertragen. Im Herbst des gleichen Jahres wurde begonnen und bereits 1997 war das Bauvorhaben abgeschlossen. Dadurch war das Problem der Lagerung des Vereinszeltes und den Gerätschaften gelöst. Mit dem Bau einer Treppe vom Parkplatz zur Rollschuhbahn und dem Anlegen der Außenanlagen mit Böschungen konnte 1998 die Außenanlage fertig gestellt werden. Bei der Hauptversammlung im Februar 1999 haben die Mitglieder Rolf Bauder erneut beauftragt, die Bauleitung und Planung für ein neues Vereinsheim zu übernehmen. Bereits im Juli 1999 konnte die Planung und Finanzierung beim Badischen Sportbund eingereicht werden. Im Herbst erhielt der Verein grünes Licht vom Sportbund und reichte sofort die Baugenehmigung ein.

Beim Bau der Garagen wurde schon der Ringanker betoniert, sodass nur das Dach entfernt werden musste um das Fertighaus aufzustellen. Am 20. Juli 2002 war es dann soweit, Bürgermeister Hans Zellner, einige Gemeinderäte und Vorstandsmitglieder konnten zusehen, wie Teile des Fertighauses mit einem Kran auf die Garagen aufgesetzt wurden. Die Firma Reinhard aus Wald-Michelbach hatte in vier Tagen die Außenwände und das Dach fertig gestellt. Der Innenausbau konnte dann in eigener Regie unter der Leitung von Hilmar Kraft und Rolf Bauder sowie einigen Helfern durchgeführt werden. Bis zur Fertigstellung wurden insgesamt 2390 Arbeitsstunden geleistet, wobei durch Hilmar Kraft und Rolf Bauder mit 1820 Arbeitsstunden der größte Anteil absolviert wurde. Am 18. Juli 2002 konnte dann das Vereinsheim an der Rollschuhbahn bei der Landesmeisterschaft im Rollsport eingeweiht werden.

Nachdem Beate Weis nach langer, schwerer Erkrankung wieder am Rollsporttraining teilnehmen konnte, sollte ihr größter Wunsch eine Formation zu gründen, in Erfüllung gehen. Nach nur einjährigem Training unter ihrer Regie startete die Formation "Rolls On Fire" mit 16 Läuferinnen erstmals 2004 bei einer Bundesmeisterschaft in Viernheim und belegte auf Anhieb den 3. Platz. Im September 2005 war dann die Überraschung perfekt, die Formation "Rolls On Fire" vom RRSV Wilhelmsfeld belegte bei der Bundesmeisterschaft in Öhringen den 1. Platz. Auch 2006 konnte die Formation ihren Titel verteidigen und den Pokal wieder mit nach Wilhelmsfeld holen.

Letztmals spielte eine Radballmannschaft 2004 in der Verbandsrunde für den RRSV-Wilhelmsfeld. Mit Axel und Thomas Löser endete damit der Radballsport im RRSV. Der Verein versuchte vergeblich Nachwuchsspieler zu trainieren. Der Radballsport ist zu artistisch und das Training dauert bis zu zwei Jahre bis eine Radballmannschaft mit Gegnern ein Spiel bestreiten kann.